Schlagwort-Archiv: Verflechtungsgeschichte

Call for Articles: Ausgabe 4 (2) – Herbst/Winter 2015

Call-for-Articles: Verbindungen zwischen Südosteuropa und Lateinamerika

Das Konzept der Area Studies erweist sich auch nach Jahrzehnten weiterhin als höchst produktiv, ermöglicht es doch, soziale Phänomene aus einer (über-)regionalen Perspektive neu zu betrachten. Vernachlässigt wurden und werden dabei Verflechtungen mit und Einflüsse aus anderen Regionen. Vor diesem Hintergrund widmen sich die Südosteuropäischen Hefte in kommenden Ausgaben verstärkt der Frage nach Verbindungen und Schnittstellen zwischen Südosteuropa und anderen Regionen. Davon versprechen wir uns anregende Impulse wie auch spannende Perspektivverschiebungen bei der Beschäftigung mit dem eigenen Fach. Neben künftig geplanten Themenheften zum Nahen Osten und Osteuropa befasst sich die kommende Ausgabe als erste in dieser Reihe mit Verbindungen zwischen Südosteuropa und Lateinamerika.
Insbesondere der Zusammenhang zwischen Lateinamerika und Südosteuropa ist zunächst einmal kein offensichtlicher, bei genauerer Betrachtung lassen sich jedoch einige vielversprechende Themenfelder ausmachen: So wanderten allein in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mehr als eine Million Menschen aus Südosteuropa in lateinamerikanische Länder aus. Insbesondere Griech_innen und Kroat_innen bilden noch heute große Migrant_innengruppen, etwa in Chile oder Argentinien. Wie sahen die Lebenswelten dieser Menschen aus? Auf welche Weise beeinflussten sie die Gesellschaften, deren Teil sie wurden, und wie wirkten sich diese Prozesse der Vergesellschaftung auf die Migrant_innen aus? Bildeten sie eigenständige Communities / „Diasporas“ oder hatte die Herkunft keine nennenswerte Bedeutung?
Neben dem verbreiteten migrationsgeschichtlichen Ansatz und damit verbundenen Fragen nach Transfer und kulturellen Begegnungen ließen sich aber auch Fragen nach der Rezeption historischer Zäsuren oder Staatskonzepten und -umbrüchen stellen. Wie zum Beispiel wurde der Erste Weltkrieg und die Rolle südosteuropäischer Akteure in den lateinamerikanischen Ländern wahrgenommen und diskutiert? Auf welche Weise fand etwa der jugoslawische Selbstverwaltungssozialismus einen Widerhall in lateinamerikanischen Diskursen oder umgekehrt der Mythos „Che“ in Südosteuropa? Inwiefern begünstigte zudem die 1961 in Belgrad gegründete Bewegung der Blockfreien Staaten die Beziehungen zwischen Jugoslawien und den einzelnen lateinamerikanischen Staaten? Wie wurden die zahlreichen Entstehungen von Diktaturen und Folter in Lateinamerika in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Südosteuropa rezipiert? Beispielhaft ließe sich das filmische Werk des Regisseurs Costa-Gavras anführen, das zudem die stets implizite Frage nach den im Diskurs aufgeworfenen Projektionen auf „das Andere“ bzw. „die Anderen“ aufwirft.
Neben migrations- und politik- bzw. ideengeschichtlichen Ansätzen stellen schließlich Fragen nach Rezeptionen von kulturellen Exportschlagern einen dritten Komplex dar. Wie wurden beispielsweise Eröffnungen von Tangotanzschulen oder griechischen Restaurants in der lokalen Presse diskutiert? Wie lässt sich die seit den 1980er Jahren zunehmende Popularität lateinamerikanischer Fernsehserien in Südosteuropa erklären? Welche Entwicklungen und Formen der Zusammenarbeit im Bereich der Kunst lassen sich beobachten? Wie sind etwa neue „hybride“ Formen der „World Music“ zu erklären, die sich als Verschmelzung der Labels oder Stile „Balkan“ und „Latin“ begreifen?
Die Redaktion begrüßt Beiträge und Essays, die die vielfältigen Erscheinungsformen des Transfers und der Rezeptionen oder auch Verflechtungen zwischen den Regionen Südosteuropa und Lateinamerika untersuchen. Wir heißen Beiträge aus allen geistes-, kultur- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen willkommen.
Bitte senden Sie uns Ihre Artikel bis zum 1. Juli 2015 an: redaktion@suedosteuropaeische-hefte.org zu. Es können ausschließlich Beiträge berücksichtigt werden, die gemäß unserer Manuskriptrichtlinien erstellt wurden. Diese finden Sie unter https://suedosteuropaeische-hefte.org/manuskriptrichtlinien/.
Zu jedem Zeitpunkt nehmen wir die Einsendung von Abstracts möglicher Artikel entgegen, die uns einen Aufschluss über die Leitfrage, das Quellenmaterial sowie die Relevanz des Themas geben. Dazu geben wir gerne und zeitnah eine Rückmeldung.

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Call for Articles: Links between Latin America and Southeastern Europe

TheEven after decades the concept of area studies proves to be helpful as it provides a way of analyzing social phenomena from a (supra-) regional point of view. In this context, influences from other regions and entanglements were and still are neglected. Against this backdrop the following issues of the Südosteuropäische Hefte address the question of links and interfaces between Southeastern Europe and other regions. We expect stimulating impulses as well as promising shifts of perspectives in dealing with the respective region. Apart from planned thematic issues on the Middle East and East Europe the next issue deals with links between Latin America and Southeastern Europe.
At a first glance links between Southeastern Europe and Latin America are not that obvious. However, a closer look reveals some promising thematic fields: More than one million people emigrated during the first half of the 20th century from Southeastern Europe to Latin America. Today, Greeks and Croats still are large migration groups, as it is the case in Chile or Argentina. How did their living environment look like? In which way did they have an impact on the societies they became part of? And on the other hand, in which way did these processes affect the immigrants? Did they build separated and independent communities / “diasporas” or didn’t origins really matter?
Regardless of this well known approach of migration history and related questions of transfer and cultural exchange, questions can be addressed by looking at the reception of historical caesuras or state concepts and social upheavals. For example, how were WWI and the role of Southeast European actors perceived and discussed in Latin America? In which way was the workers’ self-management in socialist Yugoslavia reflected in Latin America or in return the myth around “Che” in Southeastern Europe? To what extent did the foundation of the Non-Aligned States in 1961 in Belgrade have an impact on relations between Yugoslavia and some Latin American states? How was the emergence of numerous dictatorships in Latin America during the second half of the 20th century perceived in Southeastern Europe? For example one could mention the works of the director Costa-Gavras, which go along with the implicit question of projections of the “other” in discourses.
In addition to these approaches of migration and political history, and the history of ideas, a third complex is built by questions addressing the reception of cultural export hits. How were, for example, the openings of tango schools or Greek restaurants discussed in the local press? How can the growing popularity of Latin American telenovelas since the 1980s in the Southeast European context be explained? Which developments and forms of collaboration in the wide field of arts can be identified? How, for example, can hybrid forms of World Music be explained, which label themselves as an amalgamation of the styles „Latin“ and „Balkan“?
The editorial staff appreciates contributions and essays that explore the various forms of transfer and receptions or entanglements between Southeastern Europe and Latin America. We welcome contributions from all disciplines of humanities and social sciences. Please, send us your texts until 1 July 2015 to: redaktion@suedosteuropaeische-hefte.org. When submitting your article to the Südosteuropäische Hefte, please note the following guidelines: https://suedosteuropaeische-hefte.org/manuskriptrichtlinien/.
At any time we welcome abstracts for possible articles. They should give information about your leading question, the sources you are referring to and the relevance of your subject. We will be glad to give you a quick feedback.

Südosteuropäische Hefte, Jg. 1, Nr. 2

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Aus der Südosteuropaforschung

Hannes Grandits
Südosteuropäische Geschichte als global verflochtene Regionalwissenschaft. Aktuelle Perspektiven des Berliner Wissenschaftsstandortes

Stefan Troebst
„Südosteuropäische Geschichte als gesonderte Disziplin“. Mathias Bernath in Berlin und München

Marija Vulesica
„Meine Erinnerungen sind so schrecklich.“ Zum Tode der kroatischen Historikerin und schweigsamen Zeitzeugin Prof. Dr. Mirjana Gross

Beiträge

Jacob Venuß
Wahlsystemwandel in Südosteuropa. Zur Stabilität von Wahlsystemen im postsozialistischen Raum

Tilmann Feltes
Jugend und Demokratie. Die Förderung der Partizipation Jugendlicher durch die internationale Gemeinschaft im Kosovo

Andreas Guidi
„Traditionen im Transit“. Deutung der lokalen Geschichte und Kategorisierungsprozesse am Beispiel von kulturpolitischen Institutionen im serbischen Sandžak

Eckehard Pistrick
Spatial Detachment – Emotional Detachment. Delocalizing and Instrumentalizing Local Musical Practice in the Communist Regimes of Southeastern Europe

Essays und Berichte

Heike Karge
Sozialfürsorge und Gesundheit in Ost- und Südosteuropa im langen 20. Jahrhundert

Philipp Tybus
Krieg(e) in Jugoslawien – Herausforderung für eine europäische Friedenskultur. Internationale Tagung: 29. November – 1. Dezember 2011, Alpen-Adria Universität Klagenfurt

Rezensionen

Nataša Mišković
Calic, Marie-Janine (2010): Geschichte Jugoslawiens im 20. Jahrhundert. München: C.H. Beck (Europäische Geschichte im 20. Jahrhundert), 415 Seiten,
ISBN: 978-3-406-60645-8 

Stefanie Rämmler
Gromes, Thorsten (2012): Ohne Staat und Nation ist keine Demokratie zu machen. Bosnien und Herzegowina, Kosovo und Makedonien nach den Bürgerkriegen. Baden Baden: Nomos (Studien der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, 17), 256 Seiten, ISBN: 978-3-832-97330-8             

Đorđe Tomić
Haselsteiner, Horst; Wastl-Walter, Doris (Hg.) (2011): Mosaik Europas. Die Vojvodina. Frankfurt am Main u.a.: Peter Lang Verlag, 217 S. ISBN 978-3-631-59123-9 

Neuerscheinungen    

Autor_innen

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